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Filmprogramm

kuratiert von Florian Wüst

Das von Florian Wüst kuratierte Filmprogramm greift die thematische Beziehung zwischen Modell und Ruine auf, die in Dessau-Ro?lau eine faszinierende stadtr?umliche Zuspitzung findet. Im Fokus auf die Stadt als Schauplatz und Zeugnis tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche haben sowohl die filmische Installation im Mausoleum als auch das Filmprogramm im Kiez-Kino je einen historischen Dokumentarfilm als Ausgangspunkt: Harun Farockis Stadtbild (1981) besch?ftigt sich anhand von Fotografien West-Berlins mit der ab Mitte der 1960er-Jahre aufkommenden Kritik an der architektonischen Nachkriegsmoderne, welche die funktionale Stadt als Bild gewordene Trostlosigkeit, als Ruine des Lebendigen beschreibt. Von der Zeit unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung erz?hlt Friede Freude Katzenjammer von Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich (1991) am Beispiel der Umstrukturierung eines Magdeburger Bau- und Denkmalpflegebetriebs. In Kombination mit zeitgen?ssischen Filmen von Ulrike Franke & Michael Loeken, Johannes Gierlinger, Juliane Henrich, Sasha Litvintseva & Graeme Arnfield und Adnan Softi? bietet das Filmprogramm eine Auseinandersetzung mit Geschichte und Zukunft, die sich um die Fragen nach dem gegenw?rtigen Verh?ltnis von Raum und Besitz, Erinnerung und Identit?t, Simulation und Repr?sentation, K?rper und Materie dreht.

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Filmraum im Mausoleum

25. 5.10. 6. 2019
Mausoleum Dessau-Ro?lau

In den 1950er- und 1960er-Jahren machte die Modernisierung der St?dte, in der BRD wie der DDR, nicht vor prominenten Repr?sentationsbauten halt. Teils als Ruinen aus dem 2. Weltkrieg hervorgegangen, wurde so manch Stadtschloss oder Kirche schlie?lich abgerissen – aus stadtplanerischen oder ideologischen Gründen. Inzwischen liegen die Rekonstruktion und Simulation historischer Architektur im internationalen Trend. Der gegen Protest durchgesetzte Wiederaufbau des Braunschweiger Schlosses vor über 10 Jahren mag prototypisch erscheinen: Hinter der neu-alten klassizistischen Fassade befindet sich ein riesiges Einkaufszentrum, die restliche Geb?udefl?che wird als Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Schlossmuseum genutzt. Besonders im Konflikt zwischen kommerziellen und kulturellen, politischen und nachbarschaftlichen Interessen wird deutlich, wie umk?mpft die Gestaltung des st?dtischen Raumes immer war und ist: ein Ort, an dem es um weit mehr geht als gebaute Architektur. So reflektiert die im Mausoleum installativ pr?sentierte Filmauswahl die Rolle von Geschichte und kollektiver Erinnerung im Kontext unterschiedlicher europ?ischer St?dte und aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Erg?nzt um den Blick auf das Versprechen einer digitalen Zukunft sowie auf ein zutiefst materielles Problem im Umgang mit dem Verm?chtnis der Moderne, der Asbestsanierung, spannen die fünf dokumentarischen und künstlerischen Filme einen gr??eren sozialen und ?konomischen Rahmen, in dem sich das ambivalente Verh?ltnis von Modell und Ruine auf vielschichtige Weise widerspiegelt.

Filme
Stadtbild

Stadtbild, Harun Farocki, BRD 1981, 45 min

Asbestos

Asbestos, Sasha Litvintseva, Graeme Arnfield, UK 2016, 20 min

Bigger Than Life

Bigger Than Life, Adnan Softi?, DE/MK/IT 2018, 30 min

koordinaten

koordinaten, Juliane Henrich, DE 2018, 11 min

Remapping the Origins

Remapping the Origins, Johannes Gierlinger, AT 2018, 42 min

Friede Freude Katzenjammer

29.05. 20:00
KIEZ-KINO

Die 1886 in Magdeburg gegründete Firma Paul Schuster GmbH, Fachbetrieb für Bau- und Denkmalpflegewurde zu DDR-Zeiten verstaatlicht und als VEB Denkmalpflege unter der Leitung des Enkels des Firmengründers, Hans P. H. Schuster, geführt. 1990erfolgte die Reprivatisierung des Familienunternehmens, das seither wieder den Gründungsnamen tr?gt. Schusters unternehmerisches und ehrenamtliches Wirken ist den Kunstdenkm?lern seiner Heimatstadt gewidmet: Er rettet sie und andere Artefakte vor dem Vergessen. Gleichzeitig sitzt Schuster für die FDP im Deutschen Bundestag. W?hrend er in Westdeutschland nach Investoren Ausschau h?lt, fühlt sich die Belegschaft seiner Firma nicht nur von ihm im Stich gelassen. Im Wechsel mit historischen Archivaufnahmen zeigt Friede Freude Katzenjammer den agilen Unternehmer und Politiker, die Angestellten seines und anderer Betriebe oder auch zwei arbeitslose Jugendliche, die neonazistische Schlüsse aus der perspektivlosen Situation ziehen: das ungebremste Aufeinanderprallen von Kapitalismus und Sozialismus in den ersten Monaten nach der Wiedervereinigung. Die Widersprüche der neuen gesamtdeutschen Wirklichkeit werden besonders in den Szenen deutlich, in denen die von den ?Personalanpassungen“ betroffenen Arbeiter und Arbeiterinnen motiviert und weitergebildet werden sollen, um ?ihre Aussichten zur Vermittelbarkeit in eine andere T?tigkeit zu erh?hen.“ Ohne zu skandalisieren, hebt Friede Freude Katzenjammer individuelle Geschichten aus der Anonymit?t der ?gro?en“ Geschichte hervor.

Friede Freude Katzenjammer, Detlef Gumm, Hans-Georg Ullrich, 1991

Friede Freude Katzenjammer
Detlef Gumm, Hans-Georg Ullrich, DE 1991, 90 min
Anschlie?endes Publikumsgespr?ch mit den Regisseuren Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich, moderiert von Florian Wüst

G?ttliche Lage

5.06. 20:00
Kiez-Kino

über fünf Jahre hinweg wurde inmitten des Dortmunder Arbeiterviertels H?rde gebaut: Das ehemalige Stahlwerk Phoenix-Ost, das einst 18.000 Menschen besch?ftigte,ist einem künstlichen See gewichen, dem Phoenix-See. Mit 24 Hektar Wasserfl?che ist der Phoenix-See gr??er als die Hamburger Binnenalster. An seinen Ufern sind luxuri?se Wohnungen und Einfamilienh?user entstanden, es gibt einen Marina und eine Piazza. Die Projektbeschreibungen der Phoenix-See-Entwicklungsgesellschaftassoziierten die Zukunft des Stadtteils nicht mehr mit harter Arbeit, Stahlproduktion und Umweltverschmutzung. Die neuen Schlagworte lauteten Freizeit, Erholung und mediterranes Flair. In G?ttliche Lage dokumentieren Ulrike Franke und Michael Loeken nicht nur den Verlauf der Bauarbeiten, sie lassen auch Investoren und Bauherren, Planer und Anwohnerinnen zu Wort kommen. So entwirft der Film ein komplexes Bild der Gentrifizierung und des sich vertiefenden sozialen Zwiespalts in der post-industriellen Gesellschaft. Denn in den Nachbarstra?en des Phoenix-Sees wohnen noch immer diejenigen, die hier schon zu den Hochzeiten des Stahlkochens wohnten. Sie sind nicht in die neuen H?user am See gezogen, weil sie sich das niemals leisten k?nnten. Aber auch das versprochene neue Wohnparadies hat bereits erste Risse: Der See, der alsRegenwasserrückhaltebecken Bestandteil derRenaturierung der Emscher ist, wurde mit einem Badeverbot belegt, Partys im Freien st?ren die Nachtruhe, die Stadtvillen erscheinen zu eng aneinander gebaut.

G?ttliche Lage, Ulrike Franke, Michael Loeken, 2014

G?ttliche Lage
Ulrike Franke, Michael Loeken, DE 2014, 104 min
Anschlie?endes Publikumsgespr?ch mit Stephan Gudewer, STADTGUUT, Bochum und Patrice Heine, Chemiepark Bitterfeld-Wolfen, moderiert von Florian Wüst

Neubau Vergangenheit

Das von Florian Wüst kuratierte Filmprogramm des Werkleitz Festivals?Modell und Ruine, welches im Mai/Juni diesen Jahres in Dessau stattfand, widmete sich der Stadt?als Schauplatz und Zeugnis gesellschaftlicher Umbrüche. Im Rahmen eines Nachtrags zum Festival in Halle zeigt Werkleitz zwei Kurzfilme des Programms?–?koordinaten?von Juliane Henrich und?Bigger Than Life?von?Adnan Softi??–, kombiniert mit einem?Vortrag des Autoren und Stadtforschers Orhan Esen?über Raumpolitik und historisierende Architektur in Berlin, Skopje und Istanbul.

Still aus koordinaten von Juliane Henrich

Programm: Beginn um 20:00
koordinaten, Juliane Henrich, DE 2018, 11 min
Function Follows Form: Zur Erfindung der Au?enarchitektur. Berlin_Skopje_Istanbul, Vortrag des Stadtforschers Orhan Esen
Anschlie?endes Publikumsgespr?ch mit Juliane Henrich, Orhan Esen, Adnan Softi??und Filmkurator Florian Wüst

Adnan Softi?s Bigger Than Life (DE/MK/IT 2018, 30 min) wird w?hrend des Abends als Installation sowie in kurzen Ausschnitten innerhalb des Vortrags von Orhan Esen gezeigt.?
Kooperationspartner ist die Oper Halle.

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